Chronik der Strecke

Die Fichtelgebirgsbahn von Bayreuth Hbf nach Warmensteinach nahm den planmäßigen Zugbetrieb am 15.08.1896 auf.

Sie ist die letzte verbliebene von einstmals sieben Bahnlinien in das Fichtelgebirge:

Bahnstrecken ins Fichtelgebirge in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Die Gesamtstrecke betrug insgesamt 22,9km, auf der 12 Haltepunkte bedient wurden.

Streckenplan der Lokalbahn von Bayreuth nach Warmensteinach

Große Bedeutung hatte die Nebenbahn früher für den Transport von Gütern (Holz, Granit, Glas, Kalk) und im Winter verkehrten regelmäßig Ski-Sonderzüge in das Skigebiet rund um den Ochsenkopf.

Ankunft eines Sportzuges in Warmensteinach

Quelle: Archiv Manfred Röthel

Erste Überlegungen zur Einstellung des Personenverkehrs gab es im Jahr 1974. Zunehmender Parallelverkehr mit Bahnbussen minderte die Wirtschaftlichkeit der Strecke. Verringerungen der Fahrtendichte, die die Attraktivität der Bedienung schmälerten, waren die Folge. Höhepunkt dieses Teufelskreises war die 1983 geplante Einschränkung des Zugverkehrs auf ein Fahrtenpaar am Abend, die jedoch abgewendet werden konnte.

Ende 1992 musste der Zugbetrieb zwischen Weidenberg und Warmensteinach aus technischen Gründen eingestellt werden, das Schienenmaterial war nach jahrzehntelanger Vernachlässigung abgefahren. Die dem Landkreis von der DB in Aussicht gestellte Sanierung der Strecke verzögerte sich durch Nachberechnungen der Kosten. 1999 erreichten diese das neunfache der ursprünglich veranschlagten Summe.

Im Juni 2001 wurde auch der Zugbetrieb zwischen Bayreuth und Weidenberg aus technischen Gründen eingestellt. Die rechtliche Lage ließ zu diesem Zeitpunkt einem Eisenbahnunternehmen aber nicht mehr den Spielraum einer technischen Stillegung einer Strecke mit bestelltem Verkehr auf unbestimmte Zeit, und das Eisenbahnbundesamt ordnete die zügige Sanierung der Strecke und Wiederinbetriebnahme des Verkehrs an. Als Reaktion der DB erfolgte der Verkauf der Strecke an die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE).

Bahnhofsgelände und Lokschuppen Warmensteinach

Der Bahnhof Warmensteinach im Jahr 2008

Unter diesem Streckenbetreiber wurde 2002 der Zugbetrieb bis Weidenberg wieder aufgenommen. Zwischen Mengersreuth und Warmensteinach erfolgte zugleich der Abbau der Schienen zum Zweck der materiellen Verwertung. 2004 erreichte der Landkreis eine Vereinbarung mit der Staatsregierung, die die vom Freistaat finanzierte Sanierung der Strecke bis Weidenberg zum Inhalt hatte.

Ab 2007 wurde zwischen Bayreuth und Weidenberg auf sanierter Strecke wieder Personenverkehr durchgeführt. Weitere Verbesserungsschritte waren die Integration des Landkreises in den VGN im Jahr 2010 und die Aufnahme der Strecke in den Bayerntakt mit stündlicher Bedienung im Juni 2011 im Rahmen des Dieselnetzes Oberfranken. Die Personenverkehrsleistung wird seitdem von der agilis Verkehrsgesellschaft mbH & Co. KG erbracht. Der Landkreis Bayreuth veranlasste den Ausbau des Busanschlussverkehrs auf einen Stundentakt bis Warmensteinach und einen annähernden Stundentakt bis Fichtelberg.

Eine vom Landkreis Bayreuth beauftragte und vom Büro GEO-PLAN Bayreuth (Verkehr Tourismus Stadtmarketing Hutzelmann und Hacke GbR) 2010 durchgeführte Potentialstudie für den Streckenabschnitt Weidenberg – Warmensteinach wurde vom bayerischen Wirtschaftsministerium als fachlich-methodisch korrekt bewertet, es bemängelte jedoch insgesamt "die zu optimistischen Annahmen", ohne hier konkrete, nachvollziehbare Aussagen zu treffen. Eine weitere zwischen Ministerium und Landkreis vereinbarte Potentialstudie, die der VGN in 2015 vorlegte, ergibt eine prognostizierte Größe von 780 Fahrgastkilometer pro Streckenkilometer zwischen Weidenberg und Warmensteinach. Damit wird der für die Reaktivierung von Eisenbahnstrecken und die Neubestellung von Schienenpersonennahverkehr (SPNV) durch den Freistaat Bayern zugrundegelegte notwendige Schwellenwert von 1000 Reisendenkilometer je Kilometer Streckenlänge unterschritten und eine Bestellung von Verkehren in der Folge abgelehnt. Der Kritikpunkt, dass für dieses Kriterium nur die zu reaktivierenden Streckenabschnitte betrachtet werden und damit im Extremfall der "letzte Kilometer" noch das volle Verkehrsaufkommen zu erbringen hat, wird vom nunmehr zuständigen bayerischen Innenministerium ignoriert.

Der Landkreis Bayreuth und die Anliegergemeinden Weidenberg und Warmensteinach halten angesichts dieser Situation eine Wiederaufnahme des Zugbetriebs in absehbarer Zukunft nicht für möglich und betreiben die Umwandlung der Bahntrasse in einen Radweg und den Aufbau einer modellhaften E-Mobilitäts-Trasse zwischen Weidenberg und Warmensteinach.